Die Sache mit dem Schwarz-weiß und dem Grau

 

 

 

Es gibt manchmal Tage, da wundere ich mich über mich selbst, wachse über mich hinaus, bin gut gelaunt, alles scheint zu gelingen. Dann gibt es aber auch die anderen Tage, die die mich viel Kraft kosten, die mich müde machen, alles unfair erscheinen lässt. Die, in denen die Welt mehr schwarz denn weiß aussieht und ich auch das Verhalten von anderen Menschen nicht verstehen kann. Nicht zu deuten weiß, was das jetzt soll. Es geschehen Dinge, die mich verletzen, die mir wehtun. Ich sehe es als Angriff gegen mich, meine Person, es erschüttert mich wahrlich im Inneren. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Denke öfter mit dem Herz denn mit dem Gehirn. Das ist in vielen Fällen gut, aber nicht immer. Es ist schwer für mich Gegebenheiten zu akzeptieren, die ich doch ändern will. Menschen zu akzeptieren, die vermeintlich gegen mich sind. Mir fehlt wirklich dann von Grund auf das Verständnis dafür. Es ist eben alles schwarz in diesen Momenten.

 

Neulich ist mir genau eine solche Situation passiert. Etwas, worüber ich nicht stehen konnte, wenngleich es eigentlich so sein sollte. Eine Person, die bis dato noch nie auf meiner Webseite interagiert hat, hat mich mit einem Stern bewertet. Das Negativste, das es gibt. Ohne weiteren jeglichen Kommentar, einfach dieser eine Stern, der meine Gesamtbewertungen und ja auch mich in diesem Moment gedrückt hat. Ich weiß bis jetzt nicht, warum diese Leserin oder ich vermute ja, dass sie eigentlich sonst nicht auf meiner Seite liest, das getan hat, was sie davon hatte oder wie auch immer. Ich würde sie gerne fragen, ich traue mich aber nicht. Es hat mich verletzt. Tatsächlich. Mein ganzes Herz hängt an dieser Seite, an meinen Texten, an meiner Leserschaft. Wenn ich schreibe, dann schreibe ich für mich und mit Euch. Ihr gebt mir Selbstvertrauen, wenn Ihr kommentiert und lasst mein Herz vor Freude springen, wenn ich feststelle, dass meine Texte, meine Ideen, mein Ich bei Euch „ankommen“. Ja, davon lebt mein Schreiber-Geist und es tut unendlich gut. Und genau deshalb trifft mich eine solche Begebenheit sehr.

 

Wie wäre das Ganze aber jetzt, wenn ich es von der anderen Seite beleuchte. Wenn eben nicht alles immer schwarz oder weiß ist, sondern grau. Was wenn besagte Dame an diesem Tag vielleicht einen schlechten Tag hatte, wenn sie es irgendwo auslassen musste, wenn sie meine Texte vielleicht wirklich scheiße findet. Was mochte ihr wohl an diesem Tag widerfahren sein. Vielleicht ging es ja doch gar nicht gegen mich persönlich. Vielleicht aber doch. Vielleicht sollte ich trotz allem hinter die Kulissen blicken und das Grau wahrnehmen. Es ist nicht immer alles so, wie es scheint. Eine Mutter, die ihr Kind in der Straßenbahn anschreit und vernichtende Blicke erntet. Vielleicht hat sie gerade erfahren, dass sie schwer krank ist, vielleicht ist sie alleinerziehend und hat kaum noch Kraft, vielleicht hat der Zwerg heute wirklich schon unglaublich viel angestellt und die Mutter ist mit den Nerven am Ende. Es ist alles möglich und ich weiß es einfach nicht. In unserem Leben haben wir so viele Begegnungen mit Menschen, urteilen viel zu oft und leider auch viel zu schnell. Wir kennen weder die Beweggründe der Menschen noch das, was sie erlebt haben und was sie geprägt hat. Wir können nicht unter die Oberfläche eines jeden Einzelnen schauen. Kein Leben ist so wie es vielleicht scheinen mag, wenn wir nicht die ganze Wahrheit kennen. Wir sollten viel öfter dieses Grau sehen. Und damit den anderen Menschen nicht zu schnell zu verurteilen. Auch wenn grau an sich als eher trist gilt, in diesem Bezug sollten wir das Grau auch manchmal feiern. Und ihm Raum geben. Und uns besser verstehen lernen.

 

Ich drück Euch und Ihr bitte die Zwerge! Eure Nisla <3