Die Nächte sind lang. Aber die Jahre so kurz.

 

Wenn wir das erste Mal unser  Baby im Arm halten, voller Endorphine und Liebe, die Tränen vor Glück über unsere Wangen laufen, da wissen wir noch nicht, was alles auf uns zukommen wird. Wie sehr dieses kleine Bündel Mensch unser Leben verändern würde.

 

Wir kommen nach Hause und lernen wie es ist, wenn man sein Baby nicht beruhigen kann. Wenn man spürt, dass es nicht schlafen kann vor Bauschmerzen oder weil es einfach nur getragen werden will. Wenn die Tränen des Glücks übergehen in Tränen der Erschöpfung, dann werden die Nächte lang.

 

Wenn wir merken, dass unser Kind krank wird, hustet, fiebert, wir uns unendlich Sorgen machen und stundenlang am Bettchen des Zwerges wachen, dann werden die Nächte lang.

 

Wenn wir uns Gedanken machen, ob die neue Schule gut für unser Kind ist, ob es Freunde finden wird, ob es glücklich ist, dann werden die Nächte lang.

 

Wenn wir mit ihnen mitfiebern bei den ersten Tests, den wichtigen Prüfungen, dem entscheidenden Zeugnis, dann werden die Nächte lang.

 

Wenn sie das erste Mal allein in den Urlaub fahren, wir uns fragen, ob alles gut geht, sie gesund und heil wiederkommen, stundenlang grübeln, dann werden die Nächte lang.

 

Wenn sie ihren ersten Freund oder Freundin haben, wenn wir uns fragen, ob all unsere Gespräche, Bemühungen, Aufklärung genug waren, dann werden die Nächte lang.

 

Wenn wir hoffen, dass unsere Kinder zu Vorbildern werden, zu Menschen, die andere Menschen gut behandeln, die Mitgefühl zeigen und Liebe. Wenn wir uns wünschen, dass wir genug getan haben, um aus unseren Kindern liebevolle Menschen zu machen, dann werden die Nächte lang.

 

Und sie werden noch viel länger, wenn die Kinder beginnen ihren eigenen Weg zu gehen, ausziehen, nicht mehr jeden Tag umarmt werden können.

 

Man kann wirklich sagen, die Nächte sind lang.

 

Doch, was ist, wenn wir das auf einen viel größeren Zeitraum betrachten?

 

Schauen wir uns die Jahre an.

 

Dann bleibt doch am Ende nur die Erkenntnis, die Jahre sind kurz.

 

Wenn sie nicht mehr länger Babys sind, sondern zu laufen beginnen und die ersten Wörter sprechen. Dann sind die Jahre kurz.

 

Wenn sie anfangen sich alleine anzuziehen, du nicht mehr länger die Kleidung aussuchst, sondern sie ihren eigenen Stil finden. Dann sind die Jahre kurz.

 

Wenn du dich fragst, wo die kindlichen Züge geblieben sind, wann die Kinder so groß wurden. Dann sind die Jahre kurz.

 

Wenn die Zwerge, die dir die Nächte geraubt haben, plötzlich bis in den Nachmittag hinein schlafen und du ab und zu nachsehen gehst, ob es ihnen gut geht. Dann sind die Jahre kurz.

 

Wenn sie dir nicht mehr nur zum Abschied winken, weil sie in den Kindergarten oder in die Schule gehen und du sie bald holen kannst, sondern zum Abschied winken, weil sie studieren gehen oder wegziehen. Dann sind die Jahre kurz.

 

Wenn die Kleinen dich um Längen überragen. Wenn die Küsse in der Öffentlichkeit nicht länger erwünscht sind, wenn sie ihren eigenen Weg gehen, du dich nach all den vielen Tagen und Nächten  zurücksehnst, die du so nie mehr erleben wirst. Wenn du die Erinnerungen im Herzen hast und die Liebe immer nur größer wird. Ja dann waren die Nächte lang, aber die Jahre so kurz.

 

Machen wir das Beste aus den Nächten. Und aus den Jahren.