Lieber Mensch auf dem Supermarktparkplatz

 

Hey lieber Mensch auf dem Supermarkt-Parkplatz,

 

ja du, genau du, der mit dem Stock im Arsch und dessen Kinder immer artig sind.

 

 

 

Ja, mein Sohn hat gerade einen Trotzanfall. Nicht, weil ich ihn geschlagen hätte oder ihm sonst irgendetwas angetan hätte. Nicht, weil ich die schlechteste Mutter bin oder weil ich gerade das Kind entführt habe. Oder sonst irgendwie unfähig wäre. Oder meinen Kindern ohnehin keine Manieren beigebracht hätte. Nein, einfach nur, weil ich diese beschissene Mütze, die er unbedingt haben wollte, nicht gekauft habe. Nicht, dass es dich etwas anginge, aber hey, er hat genug, nicht nur eine, ich meine wirklich genug. Er hatte außerdem erst vor ein paar Wochen Geburtstag und Weihnachten war auch. Und nein, ich halte nicht viel davon, ALLE Wünsche zu erfüllen. Und falls ich das doch tun würde, würde es dich auch nichts angehen.

 

Hey lieber Mensch, warum hast du mich so vorwurfsvoll auf dem Parkplatz angesehen, angestarrt und den Kopf geschüttelt? Als ich völlig erschöpft und müde, und ja ich meine unendlich müde, versucht habe meinen Sohn zum Auto zu tragen. Was, by the way, echt ein Kraftakt ist, wenn der kleine Mann sich vor Trotz windet und schreit wie am Spieß. So in etwa wie einen 20kg Zementsack ins Auto zu hieven oder so ähnlich. Und dabei bin ich wirklich ruhig geblieben. Habe ihn versucht abzulenken, habe ihn als Flieger schweben lassen. Es hat nichts geholfen. Er hat trotzdem geschrien. Warum hast du mir nicht stattdessen zugelächelt? Mir zu verstehen gegeben, hey, wir waren alle schon an diesem Punkt? Und ich behaupte, dass wirklich ausnahmslos JEDER eine solche Situation schon miterlebt hat, sofern er schon etwas ältere Kinder hat. (Wer etwas anderes behauptet, lügt, ich schwör’s Euch! So will es das Elterngesetz). Warum hast du mir nicht zugezwinkert und mir zu verstehen gegeben, es geht vorbei? Du gibst dein Bestes. Oder mich einfach nur wissen lassen, ich bin froh, dass es dieses Mal nicht mein Kind ist. Ist ein Wutanfall eines Kindes wirklich etwas derart Sensationelles oder etwas, das du zu verurteilen hast? Ich denke nicht. Also behalte deine Blicke für dich! Nimm deinen Stock aus dem Arsch und erinnere dich an deine Kindheit oder an die deiner Kinder. Und weißt du, was mir wirklich gut getan hätte: Ein Lächeln. Lächel mir das nächste Mal doch einfach zu. Dann ist es auch für mich leichter, den Trotzanfall meines Kindes zu überstehen! Oder zu überleben. Oder beides. Der Sturm geht vorüber. Geht uns Müttern übrigens fast allen so. Zulächeln hilft! Eure Nisla <3

(Bildquelle: www.pixabay.de)