Die Liebe gewinnt immer

Ich scrolle durch meine Timeline bei Facebook. Ein bisschen Ablenkung nach dem hektischen Tag, vor mir stapeln sich die Teller. Wie gut, dass mein Mann sich mal wieder um die Küche kümmert. Ich bin dankbar, dass er alles mitträgt, was ich trage. Seit Tagen komme ich nicht mehr dazu Wäsche zu waschen. Ich werde eine Nachtschicht einlegen müssen.

Ich scrolle durch Facebook und sehe Fotos lieber Freunde beim Eis essen.

Ein Video einer Katze, die wie kleiner Superman durch die Gegend hechtet. Ich muss lächeln.

Ein Comic, der sich über die horrenden Benzinpreise lustig macht.

Und dann stolpere ich über ein Bild eines kleinen Jungen, sein Name ist Kirill. Sein Vater trägt ihn in einer Decke, blutüberströmt. Der Vater stürmt mit dem Kleinen durch die Tür eines Krankenhauses, die Mutter mit schmerzverzerrtem Gesicht dahinter. Die Ärzte versuchen das Leben des kleinen Jungen zu retten, nachdem sein Haus in Mariupol in der Ukraine bombardiert wurde.

Eine kleine Hand kommt zum Vorschein. Ich muss daran denken, wie oft diese Hand Neues entdeckt hat, wie sie in der Hand der Eltern gelegen hat, wie sie gestreichelt und geküsst wurde. Die Mutter hat Blutspritzer überall. Der Vater ist gezeichnet.

Kirill stirbt. Und mit ihm so viele Leben mehr.

Mein Sohn kommt nach Hause und fragt, was es zum Abendessen gibt. Mein Mann erzählt von der Arbeit. Eine Freundin bekommt ein Baby, so viel Glück in ihrem Lächeln.

Ich wünschte, ich würde aufwachen und alles wäre wieder okay.

Doch war es das jemals?

Wie kann unser Leben weitergehen, während ein paar hundert Kilometer weiter die Menschen um ihr Leben kämpfen. Menschen wie du und ich. Während eine Mutter den Tod ihres Sohnes beklagen muss. Während Kirill und so viele andere unschuldige Menschen sterben.

Ich fühle mich hilflos.

Ja, ich sammle Spenden, ich bete und habe doch immer das Gefühl, es ist nicht genug. Es ist nicht genug für den Frieden. Es ist nicht genug, damit niemand mehr sterben muss.

Es ist nicht genug, um Kirill zu retten.

Ich versuche das Licht im Schatten zu sehen. Mich an euren vielen großen und kleinen Taten aufzubauen, mich zu erfreuen. An das Gute zu glauben und die Hoffnung nicht zu verlieren.

Ich habe so viel mehr Worte. Und keine, die all das beschreiben können, was ich fühle.

Licht und Schatten.

Schatten und Licht.

 

Und ich sage mir immer wieder, die Liebe gewinnt immer.
Hoffentlich bald. 

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