Acht Wochen Klinik - Endspurt

Ihr Lieben, irgendwie hatte ich heute den Impuls euch mal wieder einen kleinen Zwischenstand zum Klinikaufenthalt zu geben und einen Ausblick, wie es nun weiter geht. Mit dem heutigen Tag bin ich bereits 54 Tage in der Klinik und habe noch 16 Tage vor mir. So heißt es am Ende 10 Wochen oder auch 2,5 Monate Klinikaufenthalt. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich einen Rückzieher gemacht. Die Zeit erscheint lange und verging doch sehr schnell. Es war unfassbar harte Arbeit, an mir und mit mir selbst. Ich bin in Jahrzehnten zum Verdrängungsperfektionisten geworden und nun war es an der Zeit der Vergangenheit ins Auge zu blicken. Das war schwer und tut auch jetzt noch sehr weh. Es ist viel passiert und ich habe viel erlebt. Dinge, die mich heute mein Verhalten und auch meine Reaktionen in vielen Situationen besser verstehen lassen. Die vergangene Woche war einer der härtesten Therapiewochen bisher. Nachdem ich es geschafft hatte mich mit der Unterstützung der Therapeuten zu stabilisieren, war ich nicht fähig den nächsten Schritt zu gehen, um mich nun auch dem Ganzen zu stellen. Stattdessen habe ich dicht gemacht und mich in Widerstand geübt. Ich bin froh um viele Gespräche mit meinen beiden Therapeuten und wundervollen Mitpatienten, um zu verstehen, dass alles nur zu meinem Besten geschieht und es an der Zeit ist, weiterzugehen, auch wenn das zur gleichen Zeit bedeutet, dass es wieder schmerzen wird. Gestern hatte ich starken Kopfdruck und Schwindel und auch mein Blutdruck war ziemlich hoch. Die Seele macht sich mal wieder körperlich bemerkbar. Ich weiß eines sicher, ich will nie mehr dahin kommen, wo ich war. Ich möchte lernen mich selbst anzunehmen und begreifen, dass ich okay bin so wie ich bin. Ich möchte verstehen, dass ich es wert bin geliebt zu werden, einfach nur dafür, dass ich die bin, die ich bin. Und ich möchte aufhören mich an Leistung zu messen. Die vielen Wochen waren geprägt von Stabilisierung und Aufarbeitung des Traumas. Weitere Themen konnten wir aufgrund meines labilen Zustandes nicht angehen. Das werde ich dann hoffentlich zu Hause in einer ambulanten Therapie weiterverfolgen können. Jeder, der schon einmal eine Therapie beginnen wollte, weiß sicher um den Mangel an Therapeuten, was eine große Schwierigkeit darstellt in Deutschland. Denn gerade Menschen mit psychischen Problemen brauchen schnell professionelle Hilfe. Ein schweres Unterfangen.

Ich habe Angst vor der Zukunft. Davor, dass ich auch weiterhin nicht meinem normalen Alltag gewachsen sein werde. Davor, dass ich schnell wieder überlastet und überfordert bin. Und auch davor, Dinge und Menschen loszulassen, die mir nicht guttun. Ich habe einen langen Weg vor mir, das ist mir mehr als bewusst. Und die Depression wird mich wohl immer begleiten. Aber auch das ist etwas, was ich lernen möchte, sie anzunehmen und da sein zu lassen, wenn sie den Raum mal braucht.

 

Ich danke euch von ganzem Herzen für alle eure Nachrichten. Bitte seid mir nicht böse, dass ich vielen nicht persönlich antworten kann. Es sind einfach zu viele und die Zeit hier ist knapp. Aber ich lese jede einzelne und freue mich darüber. Fühlt euch von Herzen gedrückt. Bleibt stark in dieser mehr als fordernden Zeit.  Eure Nisla und der Wattwurm Willi 😉

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