Heimaturlaub bei Oma und Opa - wenn die Großeltern weit weg wohnen

Wenn die Großeltern weit weg wohnen und das den Familienalltag nicht gerade einfach macht, ist das eine Sache, das dies aber auch schöne Seiten hat, weil man die Zeit, die man zusammen hat, dann noch viel intensiver nutzt und wertschätzt, davon erzählt Euch heute meine liebe Gastautorin Fulltime-Mami Britta, die gleichzeitig Mami und Erzieherin ist und deren theoretische Kenntnisse über Pädagogik und praktische Erfahrungen mit Kind nicht immer zusammen passen ;-)

 

 

„Wann besuchen wir endlich wieder Opa und Oma?“ Diese Frage werde ich bestimmt - sobald das Äffchen sprechen kann – öfter hören. Für sie ist ein Besuch von oder bei Oma und Opa nämlich kein wöchentlicher Programmpunkt. Nichts, was spontan ausgemacht und am gleichen Tag in die Tat umgesetzt werden kann. Keine Selbstverständlichkeit. Denn Äffchens Großeltern wohnen über 600 km von uns entfernt, im schönen Süddeutschland.

 

 

 

Da gibt es kein spontanes Treffen zum Kaffeetrinken am Sonntagnachmittag und keinen wöchentlichen Opa-Oma-Tag mit Eisessen oder Zoobesuch. Dafür ist der Weg viel zu weit. Wenn wir unsere Eltern und das Äffchen ihre Großeltern treffen möchten, ist das immer mit längerer Planung und guter Organisation verbunden. Es wird Urlaub genommen und eine Partei muss mindestens sechs Stunden im Auto sitzen.

 

 

 

Es hat natürlich alles zwei Seiten…

 

Das Positive: Wenn wir nach Süddeutschland fahren, machen wir einen kleinen Heimaturlaub daraus. Wir bleiben mindestens eine Woche, damit man nicht mehr Zeit auf der Autobahn verbringt, als mit der Familie. Natürlich erleben wir die gemeinsame Zeit dann viel intensiver, da wir mit Sack und Pack für einige Tage und Nächte das Gästezimmer der Großeltern beziehen. D.h. wir verbringen den ganzen Tag zusammen und das meist mehrere Tage am Stück. Die Großeltern erleben ihre Enkeltochter also in allen Lebenslagen. Nicht nur am Kaffeetisch, sondern beim Essen, Spielen, in der Badewanne. Wenn sie gut gelaunt und ausgeschlafen ist ebenso wie wenn sie müde, hungrig und schlecht drauf ist. Das volle Programm eben.

 

Es hat auch Vorteile für uns Eltern. Denn wenn ich es „Heimaturlaub“ nenne, dann, weil ich es auch wirklich so empfinde. In dieser Zeit muss ich mich nicht ein einziges Mal darum kümmern, was wir wann essen, weil Oma uns nach Strich und Faden verwöhnt. Es steht nicht nur dreimal täglich etwas auf dem Tisch, meistens handelt es sich auch noch um unsere Lieblingsgerichte. Wenn ein Schokoeis-Fleck meine Lieblingsjeans ziert, ist sie am nächsten Tag wie von Zauberhand wieder sauber (Danke!). Und es schauen nochmal 2 Augenpaare mehr auf das wilde Äffchen. Ich kann also besser entspannen und weiß, wenn ich gerade mal nicht hinsehe, dann mindestens eine andere Person.

 

Und ein Vorteil für uns als Paar: Das Äffchen hat inzwischen so viel Vertrauen zu „Bopa“ und Oma, dass wir in jedem Heimaturlaub mindestens einmal einen Pärchen-Vor- oder -Nachmittag für uns haben – Essen gehen, Shoppen, ein Galeriebesuch oder einfach Spazieren gehen und über „Gott und die Welt“ sprechen. Eben „ganz allein zu zweit sein“, ohne immer das Äffchen im Hinterkopf zu haben. Denn wir wissen: Das Äffchen fühlt sich bei Oma und Opa pudelwohl, wird geliebt und verwöhnt und jeder Wunsch wird ihr von den Augen abgelesen.

 

 

 

Wenn wir wiederum Besuch von den Großeltern bekommen, ist es für sie ein kleiner Kurzurlaub und Städtetrip in einem. Die Mischung aus ganz entspannt bei uns abhängen und spazieren gehen und schönen Ausflügen in der Großstadt ist dann für alle Beteiligten sehr schön und abwechslungsreich.

 

Unsere gemeinsame Zeit ist also für alle etwas Besonderes und wird, weil sie so rar ist, sehr geschätzt.

 

Das Negative:

 

Erstens fällt der Abschied dann immer sehr schwer, denn meist dauert es Wochen, manchmal Monate, bis zum nächsten Wiedersehen.

 

Und zweitens fallen die geliebten zweisamen Momente, die für ein Paar ja auch schön und wichtig sind, im Alltag eigentlich komplett weg. Wenn keine Familie oder Verwandtschaft in der Nähe ist, kann man das Kind eben nicht einfach samstags mal zur Oma bringen, um als Paar in Ruhe Zeit miteinander zu verbringen – ein Stadtbummel , ein entspannter Besuch im Thermalbad oder einfach ein entspannter Großeinkauf. Wir können das Kind nicht abgeben, wir machen ALLES zu dritt.

 

Natürlich könnte man sich um eine/n Babysitter/in bemühen, aber es ist nicht einfach, eine geeignete Person zu finden, der erstens ich vertraue und die zweitens auch von meinem Kind akzeptiert wird. Schließlich bringt mir ein Pärchen-Tag keine Entspannung, wenn ich kein gutes Gefühl dabei habe. Es könnten ja auch mal liebe Freunde das Äffchen nehmen. Aber die haben entweder selbst Kinder und sind vermutlich (zurecht) froh, wenn sie nicht noch eins mehr beaufsichtigen müssen. Oder sie haben keine Kinder und daher einen gut gefüllten Terminplan. Auch das gönne ich ihnen von Herzen.

 

Für uns heißt das also: Uns gibt es nur zu dritt oder gar nicht!

 

Und auch, wenn das nicht immer einfach, meistens umständlich und eigentlich IMMER chaotisch ist, für uns ist es selbstverständlich. Wir kennen es nicht anders. Unser Äffchen gehört dazu – ohne Kompromisse! Wir sind aber daher inzwischen ziemlich gut eingespielt, äußerst flexibel und richtige Improvisationstalente.

 

Und wenn wir doch mal „ganz allein zu zweit“ sein wollen, dann hoffen wir abends auf ein müdes Äffchen und freuen uns auf einen gemütlichen Couch-Abend mit unserer Lieblingsserie.