Over and out - der Blog ist ruhig, das Leben rasant

Ihr lieben Leserinnen und Leser,

 

seit einigen Tagen ist es wesentlich ruhiger auf dem Blog als sonst. Ich denke, Ihr habt ein kurzes Lebenszeichen und auch eine kurze Erklärung verdient, warum das so ist. Ihr, von denen ich in real nur wenige kenne, die mir aber virtuell zu wunderbaren Zuhörern, Lesern, Mutmachern und Tipp-Gebern geworden seid. Denen ich unglaublich dankbar bin für drei Monate Bloggen und Euren vielen, vielen Interaktionen und Euer Dasein.

 

Was ist also los bei mir? Bei uns? Es gibt gute und schlechte Tage.

 

Die, die mir schon länger folgen, wissen, dass wir einen schweren Verlust zu tragen haben. Meine Schwiegermama ist sehr plötzlich und völlig unerwartet mit nur 64 Jahren von uns gegangen. Dass das ein Riesenloch hinterlassen würde, war von Anfang an klar. Dass mich das aber derart aus der Bahn wirft, hatte ich nicht erwartet. Seit einigen Wochen räumen wir mehrmals die Woche die Wohnung aus. Ein emotionaler Kraftakt. Sie fehlt an allen Ecken und Enden. Meine Vertraute, meine Freundin, die geliebte Mama meines Mannes, die Oma für meine Kinder, wichtige Bezugsperson. Es ist nach wie vor unvorstellbar. Die letzten Wochen waren ein Auf und Ab. Man funktioniert, macht weiter, hat auch Momente, in denen man lacht und Spaß hat. Die Kinder helfen den Alltag zu bewältigen, weiter zu machen und das alles irgendwie durchzustehen. Doch so langsam und das merke ich vor allem in der letzten Woche extrem, habe ich kaum noch Kraft durchzustehen. Wir müssen durchhalten, höre ich oft. Aber irgendwie kann ich das so nicht mehr. Ich habe furchtbare Alpträume. Ich träume, dass mir geliebte Menschen sterben. Ich träume von meiner Schwiegermama, die ich in einem Konzertsaal streichle, viele Menschen um uns herum, ihr Kopf kahl rasiert und mit Schläuchen bedeckt, ich immer wieder sagend zu den anderen Menschen, seht ihr sie denn nicht? Sie sitzt neben mir. Doch alle schauen mich nur fragend an und sagen, das ist sie nicht. Ich träume davon, dass sie monatelang im Koma liegt und dann doch stirbt. Es gibt keine Nacht mehr, in der ich länger als 3.30 Uhr schlafe. Jedes Mal wache ich von den Träumen auf und es gelingt mir nicht wieder einzuschlafen. Letzte Nacht war es 2 Uhr, als ich nicht mehr schlafen konnte. Das fordert auch körperlich mittlerweile seinen Tribut. Ich bin extrem müde, habe Magenschmerzen, mir wird schwindlig, mir kommen immer wieder die Tränen. Ich sitze so oft da, schaue in den Himmel und bitte sie unter Tränen um ein Zeichen. Dass es ihr gut geht, dass alles okay da oben ist, dass es weitergeht. Ich drehe mich im Kreis. Die Arbeit, die Kinder, ehrenamtliche Verpflichtungen, die ich nicht so einfach abschütteln oder loswerden kann. Die mich zwingen weiterzumachen, obwohl ich langsam nicht mehr weiß, wie. Ich will aussteigen aus diesem sich immer schneller drehenden Hamsterrad, aber es gelingt mir nicht. Ein mir lieb gewordener Arbeitskollege hat vorletzte Woche aufgehört. Der, mit dem ich das Büro teilte, der jeden Anruf aus dem Krankenhaus mitbekam. Eine weitere Kollegin und mittlerweile Freundin hört ebenfalls zum Ende des Jahres auf. Eine langjährige Freundschaft mit einer anderen Freundin droht zu zerbrechen. Ich habe das Gefühl, auf allen Seite Verluste zu erleben. Ich weiß, dass es so nicht weitergehen kann und ich arbeite an einer Lösung. Zeit mit meinen drei Männern, meine Kinder, die den Alltag leben, ist das, was mich gerade hält. Alles andere ist irgendwie belastend. Ich trauere immens. Um einen Menschen, der uns so gemein und schnell und grausam genommen wurde, der nie mehr wiederkehrt. Der eine Lücke hinterlässt, die nicht zu schließen ist. Ich weiß, dass ich, sollte ich das mit den Schlafproblemen und diesen emotionalen Achterbahnfahrten nicht in Griff bekommen, wohl Hilfe suchen muss. Ich, die immer organisiert, immer der Macher-Typ ist, immer und überall vorn dran sein möchte. Ich brauche wohl Hilfe. Jemanden zum reden, von dem ich mich verstanden fühle, bei dem ich auch nicht das Gefühl haben muss, zu belasten. Der mir hilft irgendwie weiterzumachen und das Geschehene akzeptieren zu können. Diese Hilfe zu suchen wird mir nicht leicht von der Hand gehen, aber wenn es so weitergeht, ist das wohl der nächste Schritt. Ich fühle mich immer öfter einsam, obwohl ich von unzähligen Menschen umgeben bin. Unverstanden, obwohl die Menschen sich wirklich Mühe geben. Ich drehe mich im Kreis. Aber es wird Zeit mir das einzugestehen. Ihr, die mir die besten Zuhörer und wundervollsten Leser seid, ihr habt die Wahrheit mehr als verdient. Auch wenn es kein schöner oder hoffnungsvoller Text ist, that’s me. Gerade und im Augenblick.

 

Ich habe noch ein paar Texte in der Pipeline, die schon länger geschrieben sind und geplant online gehen werden. Ansonsten melde ich mich, wann immer ich es hinbekomme. Ich werde versuchen die Aktivitäten meiner Zwerge weiterhin mitzumachen. Am Dienstag geht die Schule wieder los für uns, auch dann wird alles noch einen Tick mehr an Geschwindigkeit zunehmen. Daher.. Ich lass von mir hören. Ich drück Euch feste! Und danke Euch von ganzem Herzen! Bis bald! Eure Nisla <3

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Lily (Sonntag, 10 September 2017 21:15)

    Liebe Nisla, lass die ganz fest drücken. Letztes Jahr ist eine Freundin von mir gestorben. Ganz plötzlich...mit 27... Nach ihrem Tod habe ich das Buch "Glimpsing heaven" gelesen....es ist gut recherchiert (national geographic) und hat mich auch beruhigt. .... Ich drück dich unbekannterweise nochmal ❤

  • #2

    Birgit (Sonntag, 10 September 2017 21:51)

    Liebe Nisla,

    ich kenne Sie nicht, bin über eine Freundin auf diesen Blog gestoßen und verfolge ihn schon eine Weile mit Interesse. Zunächst möchte ich Ihnen mein tief empfundenes Mitleid aussprechen. Es ist ein schwerer Verlust und ich kann Ihnen wirklich nachfühlen. Ich möchte Ihnen Mut machen. Mut Hilfe zu suchen, Hilfe anzunehmen. Das ist ein Zeichen von Stärke!!! Es ist viel leichter, sich treiben zu lassen und im "Elend zu suhlen", als zuzugeben, es alleine gerade nicht zu schaffen. Und es lohnt sich. Andere Blickwinkel, etwas Balast abwerfen zu dürfen, da lassen zu dürfen. Die Kontrolle geben Sie dabei nicht ab! Ich möchte Ihnen Mut machen zum kleinen Wort "Nein"! Und glauben Sie mir: ich weiß, wie schwer das auszuspreche
    Ist. Natürlich versuchen wir, für unsere Kinder stark zu bleiben. Setzen Sie jedoch klare Prioritäten. Es ist nicht alles möglich zur Zeit und Sie "nützen" niemandem, wenn Sie endgültig zusammenbrechen! So gut ich Ihr Verantwortungsbewustsein verstehe, aber dann muss, z.B. im Ehrenamt kurzfristig mal jemand Anders Ihre Aufgaben übernehmen! Andere würden sich daraus kein Problem machen. Es ehrt Sie, dass Sie eines damit haben. Ich möchte Ihnen vor allem mit einem Versprechen Mut machen: es wird besser!!! Es lohnt sich durchzuhalten. Ich glaube ganz fest, dass Ihre Schwiegermutter bei Ihnen ist. Im Himmel, in Ihren Gedanken aber vor allem in Ihrem Herzen! Lassen Sie sich Zeit! Gönnen Sie Sich (kleine) Pausen. Seien Sie geduldig mit sich. Lächeln Sie sich selbst an. Erinnerungen sind wie Brücken zwischen den beiden Welten.
    Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Geduld. Alles erdenklich Gute!!!

  • #3

    Katja (Montag, 11 September 2017 00:09)

    Bitte nimm dir Zeit zum trauern! Das gehört dazu, auch wenn es nicht leicht ist. Ich wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit!